
MI/ME/ME, 09.04.2025,
20:00 UHR
Gerd Sulzenbacher: Abriss
BUCHVORSTELLUNG UND GESPRÄCH
„Um etwas Neues anzufangen, fehlte mir das Interesse. Um mit mir etwas anzufangen, die Lust.“ In nonchalanter Trägheit stromert der Erzähler in Gerd Sulzenbachers „Abriss“ durch Wien. Er zieht über Plätze und schlurft durch Straßen und Bezirke, er versinkt
in Selbstgespräche und notiert dann wieder: „Nichts getan, nirgends gewesen, niemand hat mich besucht.“
Haben wir es hier mit einem ostentativen Flaneur zu tun? Oder mit einem verspäteten Bartleby, der die Verweigerung neu erfindet? „I would prefer not to“, sagt die bekannte Figur von Hermann Melville, „Ich möchte lieber nicht“, und nichts anderes scheint Sulzenbachers
Held auf seinen Streifzügen durch die Stadt anzutreiben.
In 66 Kapitelchen folgt er dem Diktum der Negation und frönt der Einübung ins Liegen als Lebensentwurf gegen die Zumutungen von Perfektionierung und Selbstoptimierung. Darin könnte vielleicht ein Schutz zu finden sein, sinniert der trübselige Erzähler. Und
während er sich aller Emsigkeit des Tuns zum Trotz einem Redefluss hingibt, in dem er gleich anarchisch dahin treibt wie er durch die Stadt streunt, zeichnet er ein zum Abriss freigegebene Wien, „die Stadt des Schnitzels und der Träume“, und das Verschwinden
öffentlicher Räume.

Gerd Sulzenbacher © Matthias Müller, Neuberg
Die Prosastücke von Gerd Sulzenbacher sind essayistische Miniaturen, die den Widersinn als Haltung exerzieren. Der Witz, die Ironie und Pedanterie, in der auch die Selbstbeobachtung auf eine absurde Komik hinaus läuft, sind Teil davon. Sie beanspruchen den
Freigeist des Nutzlosen und trauern versteckt um die feste Identität von Objekten, die verschwinden.
Das Gespräch mit Gerd Sulzenbacher führt Christine Vescoli
(Literatur Lana).
Eine gemeinsame Veranstaltung von

20:00 UHR
Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann
A.-Diaz-Str. 8
I-39100 Bozen
www.tessmann.it